Spinning Stories – Living Archives
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Kontinuität und Innovation eines verschwindenden textilen Erbes

Der Forschungsschwerpunkt des Projekts liegt auf der Untersuchung, wie implizites Wissen, künstlerische Fertigkeiten und Praktiken, die verschwunden sind oder langsam verloren gehen, bewahrt und so transformiert werden können, dass sie eine solide Grundlage für zeitgemäße, nachhaltige Design- und Innovationsprozesse bilden. Es zielt darauf ab, ein lebendiges Archiv verschwindender Spinnpraktiken zu schaffen, das eine Funktion der interkulturellen Erinnerungsweitergabe erfüllt und zur Förderung sozialer Bindungen, Gemeinschaften und Identitäten beiträgt. Es untersucht, dokumentiert, kartiert und verknüpft (Lebens-)Geschichten von Frauen im globalen Süden und Norden, deren Körper, Alltag und Lebensunterhalt ihr ganzes Leben lang mit dem Spinnen und der Textilproduktion verbunden waren und deren Fähigkeiten für die Entwicklung ihrer Region von großer Bedeutung waren, aber möglicherweise nie Anerkennung gefunden haben. Diese „Spinn-Erzählungen” werden dazu beitragen, die Vergangenheit und den Wert der Arbeit von Frauen durch erinnerte Erfahrungen zu verstehen und das lebendige Erbe in einen Prozess der kollektiven Vorstellungskraft und des generationsübergreifenden kreativen Austauschs zu integrieren. Die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes ist ein wichtiger Faktor für die Erhaltung der kulturellen Vielfalt und die Förderung des gegenseitigen Respekts und des interkulturellen Dialogs in einer globalisierten Welt. In der postkolonialen Ära, in der wir mit dem Verschwinden von Wissen konfrontiert sind, erkennen wir das Potenzial der mündlichen Weitergabe von Wissen, des Erfahrungsaustauschs und der Textilien als verschlüsselte Geschichte und verstehen das Projekt als einen Akt der Dekolonialisierung künstlerischer Praktiken. Ein weiteres Ziel ist die Einrichtung einer transkulturellen Lerngemeinschaft in enger Zusammenarbeit mit lokalen Praktikern, um verschwindendes Wissen zugänglich zu machen und es an ihre spezifischen Bedürfnisse anzupassen. Dazu gehört auch die Sicherung von Material und der Anbau von Faserpflanzen. Die Innovation des Projekts besteht darin, die Bereiche Textil- und Digitalkunst miteinander zu verbinden und mithilfe von maschinellem Lernen, AR und KI kreative, aber dennoch kritische Antworten auf die Gegenwart zu geben und alternative Wege in die Zukunft aufzuzeigen.